Diabetes Mellitus und Auge -Eine schleichende Krankheit -Alters-Diabetes -Diabetes bei Jugendlichen -Diabetische Retinopathie: eine verhängnisvolle Krankheit und Verminderer der Lebensqualität. Glossar NETZHAUTSCHÄDEN DURCH DIABETES MELLITUS (DIABETISCHE RETINOPATHIE RPD) Der Diabetes mellitus ist eine Volkskrankheit und ein chronisches Leiden. Er ist immer noch eine der häufigsten Erblindungsursachen. An morgen denken! Gute Chancen bei früher Behandlung. Das Auftreten der durch Diabetes mellitus bedingten diabetische Netzhauterkrankung (Retinopathia diabetica) ist im Leben eines Diabetikers ein folgenschweres Ereignis. Etwa 80 Prozent aller Diabetiker leiden unter dieser Krankheit und die meisten haben gute Chancen, weitgehend oder gänzlich geheilt zu werden. Wenn auch die netzhautchirurgisch tätigen Augenärzte nicht immer erfolgreich sein können, so sind sie doch imstande, mit zweckmäßigen Behandlungsmethoden wie der Lichtkoagulation der Netzhaut durch diverse Laser-Geräte u.a. viel Leid zu verhüten oder zumindest zu mildern. Die wichtigste Voraussetzung dazu ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Internisten, (Endokrinologen, Nephrologen, Kardiologen usw.), Gynäkologen, Kinderärzten und Augenärzten mit dem Ziel, die ganzheitliche Behandlung frühzeitig einzuleiten. Folgeschäden: Die diabetische Stoffwechselstörung schädigt u.a. die feinen Blutgefäße (mikroangiopathie): es kommt hierbei zu Blutungen aus den Netzhaut-(Sehhaut-)Gefäßen in, unter oder vor die Netzhaut, zur Ablagerung von Blutfetten in die Netzhaut, zur Bildung von Flüssigkeitsansammlungen vor allem an der Stelle des schärfsten Sehens (Netzhautmitte, Macula) und zu starken Gefäßmissbildungen aus der Netzhaut in den Glaskörper, aus denen dieser völlig einbluten kann, was im Endstadium die Erblindung und die mögliche Entwicklung eines Sekundär- Glaukoms zur Folge hat. Eine einfache diabetische Netzhauterkrankung entwickelt sich relativ langsam und verursacht zunächst geringe Sehbeschwerden, häufig bei Altersdiabetikern ab dem 60. Lebensjahr. In 10% der Fälle sind auch die Nieren betroffen (Nephropatie). Anmerkung: Schäden an den groβen Gefäβen (Makroangiopathie) bewirken Veränderungen an den Herzkrankgefäβen, den Halsschlagadern oder den Beinarterien. Ist das Nervensystem geschädigt, sind das Empfinden für Temperatur, Tastsinn und/ oder Schmerz eingeschränkt. Die fortschreitende Netzhauterkrankung bei Jugendlichen verschlimmert sich schnell, beeinträchtigt das Sehvermögen stark und führt in vielen Fällen bis zur Erblindung. Symptome: Die ersten subjektiven Anzeichen der Sehhaut-Erkrankung (RPD) treten relativ spät auf: Die Sehfähigkeit verschlechtert sich. Teile des Blickfeldes bzw. Gesichtsfeldes (Champ visuel) fallen aus. Häufig sieht der Patient z.B. morgens schlechter, abends etwas besser; oft schwankt die Sehqualität während des Tages. Das Gefühl, mit seiner Brille plötzlich schlechter, nach einigen Tagen mit der gleichen Brille aber wieder besser zu sehen: Das geschieht besonders dann, wenn die Stelle des schärfsten Sehens stark geschädigt ist. Weitere Symptome des Diabetes: Gewichtsverlust und starkes Durstgefühl. Diagnostik: nicht schmerzhaft: hierzu wird beidseits lediglich die Pupille mit Augentropfen erweitert, um die Netzhaut vom Zentrum bis in die äußere Peripherie beurteilen zu können. Die Therapie der diabetischen Netzhauterkrankung RPD besteht in erster Linie in einer Einstellung zur Normalisierung des Blutzuckerspiegels und der Verhütung von Entgleisungen durch zu geringe oder überhöhte Blutzuckerwerte. Eine ausreichende Blutzuckereinstellung im Anfangsstadium des Diabetes mellitus kann eine beginnende Netz¬hauterkrankung in ihrer Wirkung verzögern und das schnelle Fortschreiten in Grenzen halten. Daneben hat sich die Laser- Lichtkoagulation (Laser-Therapie) als erfolgreich erwiesen. Durch die über die gesamte Netzhaut unter Ausschluß der Stelle des schärfsten Sehens erstreckte Photokoagulation kann das Erblindungsrisiko der diabetischen Netzhauterkrankung bis zu 90 Prozent gesenkt werden. Parallel zur Laser-Therapie erweist sich in vielen Fällen die medikamentöse Therapie mit Calciumdebosilat als sinnvoll und effizient. Hierfür sprechen mehr als 35 Jahre klinische Erfahrungen. Sind aber erst einmal diabetische Netzhautschäden auf¬getreten, werden diese kaum mehr durch eine medikamentöse Normalisierung des Blutzuckerspiegels beeinflußt. Dann läuft die krankhafte Entwicklung der Netzhaut weiter! Augenärztliche Untersuchungen sind in 4- bis 6 monatigen Intervallen während der Diabetesbehandlung als präventive Maßnahmen unerläßlichKomplikationen: • Diabetische Makulopathie mit erheblichen Sehverlusten im Zentrum der Netzhaut (Macula) • nicht proliferative diabetische Retinopathie • proliferative diabetische Retinopathie mit Gefahr massiver Glaskörperblutungen (Erblindungsgefahr!) und evtl. Auftreten eines Sekundär-Glaukoms. Je früher die beginnenden Netzhautschäden subjektiv. wahrgenommen bzw. objektiver erkannt werden, umso nachhaltiger können sie durch den Augenchirurgen u.a. per Photokoagulation (z.B. Laser-Operationen) behandelt werden. Achtung bei Hochdruckkrisen (d.h. bei Hypertonikern): es kommt bei Diabetikern während einer Hochdruckkrise häufig zu Blutungen in das Auge. Auch mit starkem Sehverlusten. hier sofort den Augenarzt aufsuchen. SCHWANGERSCHAFT UND DIABETES: Bei Diabetikerinnen kann es während der Schwangerschaft zu einem überaus raschen Fortschreiten einer bereits vorhandenen diabetischen Netzhauterkrankung kommen. Die Photokoagulation mittels Laser sich hat auch in diesen Fällen als wirksam erwiesen. Am erfreulichsten sind Behandlungsergebnisse bei Diabetikerinnen dann, wenn schon vor Schwangerschaftsbeginn die Netzhauterkrankung durch Photokoagulation (z.B. mit Laser) stabilisiert worden ist. An Morgen denken: bei Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus: Prävention / Vorsorge/ Prophylaxe Wegen der bekannten prognostischen Konsequenz kommt bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Mellitus der frühzeitigen, regelmäßigen Untersuchung der Netzhaut allergrößte Bedeutung zu. Sie sollte schon vor der Pubertät regelmäßig durchgeführt werden, wenn die Diabetesdauer mehr als 3 Jahre beträgt. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung mit Lichtkoagulation ist es, den Patienten nicht zu spät zur Diagnostik und Behandlung dem Augenarzt vorzustellen. Für den Zeit¬punkt des Aufsuchens des Augenarztes sind allge¬meine Regeln zu empfehlen: Beim Jugendlichen vergehen etwa 3 bis 10 Jahre vom Beginn des Dia¬betes bis zum Beginn der Netzhauterkrankung; sofern dieser Zeitraum nach der Pubertät liegt, sollte der Patient dem Augenarzt sofort nach Bekanntwerden eines Diabetes Mellitus vorgestellt werden. Beim älteren Diabetiker, bei dem die Diagnose Diabetes mellitus erst nach dem 45. bis 50. Lebensjahr gestellt worden ist, ist das Intervall zwischen Diagnose und Beginn der Netzhauterkrankung sehr kurz. Deswegen soll der ältere Dia¬betiker bereits sofort nach der Diabetesdiagnose durch Hausarzt oder Internisten bzw. Diabetologen dem Augenarzt vorgestellt wer¬den. Merke: Nicht die Sehleistung, sondern nur die Unter¬suchung des Augenhintergrundes ist die Grundlage zur Beurteilung des Zeitpunktes der Behandlung. Da diese Beurteilung nicht einfach ist, sollte sie dem erfahrenen Augenarzt überlassen werden. Prognose: Es ist schwierig vorauszusagen, ob das aktuell ermittelte Krankheitsbild zukünftig einen fortschreitenden Verlauf nimmt oder nicht. Wichtig ist, daß der Patient das Angebot der Früherkennung annimmt und somit eine rechtzeitige Diagnose und eine erfolgreiche Therapie ermöglicht. Kontrollen in Intervallen von 3 bis 6 Monaten bei noch intakten Netzhautgefäßen sind beim Diabetiker unerläßlich. Je früher der Diabetiker mit seiner Erkrankung zum netzhautchirurgisch erfahrenen Augenarzt kommt, umso wirkungsvoller kann dieser helfen. Zu später Beginn der Behand¬lung hat kaum noch Erfolg. Dies zeigt, daß die Methode der Lichtkoagulation ihre Grenzen hat. (Auszüge aus meiner Patienten-Information Copyright© 1997 Dr. Horst Kremers, Luxembourg) --> Nicht vergessen: Diabetiker- Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt, bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. An morgen denken! PRÄVENTION/ VORSORGE/ PROPHYLAXE/ BEI RPD: Alle 4 – 6 Monate augenärztliche Netzhautuntersuchungen bei medikamentös erweiterten Pupillen (Kontrolle mit dem Dreispiegelglas nach Goldmann) Therapie: Kombination von speziellen Medikamenten und Netzhaut-Operationen (LASER). Hier berät Sie individuell Ihr behandelnder Augenarzt. Unbedingt den Anordnungen und Empfehlungen auch des Hausarztes, des Pädiaters, des Endokrinologen, Kardiologen, Nephrologen, Internisten sowie des Augenarztes folgen! |
